Covid-19: Corona-Infektion verändert Hirn von Betroffenen

Zu den typischen Folgen einer Covid-Erkrankung zählen der Geruchsverlust und ein schlechteres Gedächtnis. Beides sieht man auch dem Hirn von Betroffenen an.

Eines der häufigsten Symptome von Covid-19 ist der Verlust des Geruchssinns, zudem scheint bei vielen Patienten nach der Infektion aber auch das Gedächtnis zu leiden. Die Ursachen der Symptome sind noch nicht gut verstanden. Ein Team von Forschenden hat nun nach Auffälligkeiten im Gehirn von Covid-19-Patienten nach der Infektion gesucht – und stieß auf Veränderungen in Arealen, die mit der Verarbeitung von Gerüchen und dem Gedächtnis zu tun haben.

Im Fachmagazin »Nature« berichten Gwenaëlle Douaud und ihre Kolleginnen und Kollegen von den Untersuchungen. Das Team hatte zwei im Abstand von rund 38 Monaten angefertigten Hirnscans von 785 Freiwilligen analysiert, die sich zudem kognitiven Tests unterzogen hatten. Von den Probanden hatten sich 401 im Lauf des Untersuchungszeitraums mit Sars-CoV-2 infiziert, 15 davon mussten im Krankenhaus behandelt werden.

Die Scans zeigten charakteristische Veränderungen im Gehirn der positiv Getesteten, die auch nach einiger Zeit noch nachzuweisen waren: So war etwa die graue Substanz in Arealen wie dem Orbitallappen und dem Gyrus parahippocampalis weniger dick als bei Menschen, die sich nicht mit Covid-19 infiziert hatten. Der Orbitallappen ist an Gedächtnisprozessen beteiligt, der Gyrus parahippocampalis bei der Erinnerung an Gerüche. Außerdem fielen häufiger Schäden am olfaktorischen Kortex auf, in dem Duftreize verarbeitet werden.

Die Patienten schnitten bei den kognitiven Tests nach der Corona-Infektion im Durchschnitt schlechter ab – anders als zur Kontrolle getestete Patienten nach einer Lungenentzündung. Offenbar sorgt also auch eine eher milde Infektion mit dem Coronavirus für Veränderungen im Gehirn, schlussfolgern die Forscher; und das betreffe nicht etwa nur die Stützzellen der Nasenschleimhaut, was als eine der Ursachen für den akuten Verlust des Geruchssinns gilt.

Es sei denkbar, dass sich die virusbedingten Schäden bis in das zentrale Nervensystem ausbreiten, vermuten die Forscher: etwa über die Riechbahn oder über Entzündungsprozesse der Nervenleitungen. Möglich sei aber auch, dass die betroffenen Hirnareale wegen der Schäden an den Geruchssensoren plötzlich weniger Input bekommen und aus Mangel an Beschäftigung allmählich schrumpfen.

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