Kinderernährung: Vegetarisch ernährte Kinder neigen eher zu Untergewicht

Im Vergleich zu Fleischessern sind minderjährige Vegetarier doppelt so häufig untergewichtig. Wichtige Nährstoffe fehlen ihnen nicht. Die Studie weist allerdings Schwächen auf.

Kinder, die sich vegetarisch ernähren, sind häufiger untergewichtig als ihre fleischessenden Altersgenossinnen und -genossen. Allerdings wachsen sie genau so schnell wie diese und leiden auch nicht unter einem Nährstoffmangel. Das berichtet das Team um Jonathon Maguire vom St. Michael’s Hospital in Toronto, Kanada, im Fachblatt »Pediatrics«.

Die Forschenden untersuchten fast 9000 Kinder im Alter zwischen sechs Monaten und acht Jahren, von denen 250 kein Fleisch aßen. Ob die Kinder sich vegetarisch oder vegan ernährten, haben sie nicht näher unterschieden. Über einen Zeitraum von knapp drei Jahren erfassten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Körpergröße und Gewicht der Kinder, sowie den Eisen-, Cholesterin- und Vitamin-D-Gehalt in ihrem Blut.

Die Auswertung der Daten ergab, dass die vegetarisch ernährten Kinder etwa gleich groß und schwer waren wie die fleischessenden Kinder. Auch einen Nährstoffmangel konnte das Team um Maguire nicht feststellen. Allerdings zeigten die Untersuchungen, dass die Vegetarierinnen und Vegetarier ein doppelt so hohes Risiko hatten, untergewichtig zu werden. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler empfehlen daher, bei vegetarischen Minderjährigen besonders auf einen ausgewogenen Speiseplan zu achten.

Die Studie weist allerdings einige Schwächen auf, erklärt Peter von Philipsborn von der Ludwig-Maximilians-Universität München in einer Presseanfrage des Science Media Centers. Zwar hätten die Daten ergeben, dass mehr vegetarische Kinder untergewichtig seien als fleischessende Kinder – das durchschnittliche Körpergewicht der Gruppen sei trotzdem ähnlich geblieben. »Da die Anzahl der Kinder mit Untergewicht in der Studie insgesamt sehr niedrig war, ist der scheinbare Unterschied zwischen den zwei Gruppen möglicherweise auf einen Zufallseffekt zurückzuführen.« Den möglichen Zufallseffekt hätten die Forschenden in ihren Berechnungen überhaupt nicht berücksichtigt, sagt von Philipsborn weiter.

Zudem habe das Team um Maguire seine Daten auf der Grundlage einer für Kinder europäischer Abstammung gedachten Klassifikation zu Untergewicht ausgewertet. »Wird diese Methode bei Kindern asiatischer Abstammung angewandt, kann dies nach Einschätzung von Fachleuten zu einer Überschätzung der Häufigkeit von Untergewicht führen«, sagt von Philipsborn. »Dies kann möglicherweise die Erklärung dafür sein, weshalb der Anteil von Kindern mit Untergewicht unter den vegetarisch oder vegan ernährten Kindern in der aktuellen Studie höher erscheint.« Tatsächlich waren von den jungen Vegetarierinnen und Vegetarier rund ein Drittel asiatischer Herkunft, von den fleischessenden Kindern aber nur etwa ein Fünftel.

Von Philipsborn schließt, dass die Ergebnisse der Studie im Einklang mit früheren Arbeiten stehen, »die ebenfalls zeigten, dass eine ausgewogene, abwechslungsreiche vegetarische Ernährung Kinder und Erwachsene gleichermaßen mit allen notwendigen Nährstoffen versorgt und eine normale kindliche Entwicklung ermöglicht.« Eltern, die ihre Kinder vegetarisch ernähren, müssen demnach keine gesundheitlichen Folgen für ihren Nachwuchs fürchten, solange der Speiseplan ausgewogen ist. Diese Ansicht teilt auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Sie empfiehlt eine vegetarische Ernährung für Kinder und Jugendliche – eine vegane Ernährung bislang jedoch nicht.

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